Familienorientierte Rehabilitation

Vier Wochen »Raus«-Zeit

So lautete der Titel des Vortrags von Stephan Meyer auf unserem Kinderherz-Symposium 2001, der diese Möglichkeit der Nachsorge dem Publikum zusammen mit Dr. Andrea Fetzner vorstellte. Beide kommen von der Nachsorgeklinik Katharinenhöhe und berichteten aus ihrer täglichen Praxis. Im folgenden erläutern wir, was eine Familienorientierte Rehabilitation ist und welche Ziele sie verfolgt.

Hintergrund, Inhalt und Ziele

Bei viele Kindern mit angeborenen Herzfehlern sind langwierige stationäre Behandlungsphasen und wiederholte Herzchirurgische Eingriffe erforderlich. Nicht immer garantiert eine erfolgreiche Behandlung auch eine unbeeinträchtigte psychomotorische Entwicklung. Im sensiblen Umgang mit den Patienten und ihren Angehörigen wird zunehmend klar, daß der ärztliche Behandlungsauftrag nicht damit erfüllt sein kann, für jeden herzfehler lediglich eine gute Überlebenswahrscheinlichkeit erreicht zu haben.

Die Erkrankung tangiert den Patienten in allen Lebensbereichen und Altersabschnitten. In besonderem Maße ist seine Familie, sein engster sozialer Bezugsrahmen, deshalb immer mit betroffen. Wie alle Kinder wollen auch die herzkranken Kinder trotz einer chronischen Behinderung, eines unbefriedigten OP-Ergebnisses oder einer notwendigen körperlichen Einschränkung Sport treiben, später eine Schule besuchen, einen Beruf erlernen und eine Familie gründen.

Es gilt also, die immer häufiger überlebenden und immer älter werdenden, chronisch herzkranken Patienten nach der erfolgreichen Akutbehandlung in ein weitgehend normales Leben zu integrieren. Voraussetzung hierfür ist ein stabiler und widerstandsfähiger sozialer Bezugsrahmen.

Das Leben der Kinder und der betroffenen Familien ist von Anfang an schwer belastet. Bei den meisten Kindern mit Herzfehlern wird die Diagnose im frühen Säuglingsalter gestellt. Hierauf folgen für die Familie viele Wochen und Monate voller Ängste und Sorgen, wie sich das Kind bis zur ersten Operation entwickeln kann, wenn nicht bereit unmittelbar nach Diagnosestellung einoperativer Eingriff unumgänglich ist und sich eine wochenlange, selten monatelange stationäre Behandlung anschließt.

Selbst nach Überwindung der schlimmen Zeit auf der Intensivstation und der Zeit der Rekonvaleszenz auf der Normalstation ist eine Normalität noch lange nicht erreicht, wenn sie denn je erreicht werden kann. Anfangs sind häufige, später längerfristige kinderkardiologische Kontrolluntersuchungen bis ans Lebensende notwendig. Und bei jeder Kontrolluntersuchung ergibt sich aufs Neue die bange Frage, ob nicht wieder eine neue Behandlungsmaßnahme erforderlich wird, die dem langfristigen, möglichst beschwerdefreien Dasein dienen soll. So läßt sich unschwer verständlich machen, daß hierunter nicht nur die Patienten selbst, sondern auch die Eltern und insbesondere die Geschwister leiden.

Die Patienten sind neben der eigentlichen Erkrankung zusätzlich belastet durch die häufige Trennung von der Familie, sowie durch Ablehnung oder Überbehütung im unmittelbaren sozialen Umfeld. Häufig besteht eine verzögerte psychomotorische Entwicklung, die Kinder fühlen sich minderwertig und schwach. Später können laufend notwendige Arztbesuche und erneute langwierige Therapiemaßnahmen zu Schulfehlzeiten und schlechten Leistungen führen. Mit zunehmendem Alter drängt sich die Angst vor einem plötzlichen Herztod auf, besonders bei Patienten mit sehr komplexen Herzfehlern, künstlichen Herzklappen oder Herzschrittmachern. Zwangsläufig ergeben sich besondere Probleme bei der Berufswahl und eine erhebliche Unsicherheit bei der Familienplanung.

Gekürzte Fassung des Autors Dr. Christoph Irtel von Brenndorff

Indikation für eine FOR

Aus: »Stellungnahme und Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Kardiologie«

»…Etwa 75% der angeborenen Herzfehler sind als kompliziert einzustufen. Als Therapeuten können wir nur andeutungsweise nachempfinden, mit welchen Ängsten und Problemen die Betroffenen und deren Angehörige umgehen lernen müssen. Die kinderkardiologische und kinderherzchirurgische Behandelbarkeit vermittelt nach erfolgreichen Interventionen nicht zwangsweise ein beschwerdefreies Leben. Unter der Erkrankung leiden nicht allein die betroffenen Patienten, sondern auch ihre unmittelbaren Familienangehörigen. Oft heißt der Patient deshalb Familie.

B. Charta des Kindes der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Jedes Kind hat ein Anrecht auf die ihm gemäße ungestörte körperliche, geistige und seelische Entwicklung. Danach besteht das Ziel der Rehabilitation darin, hinsichtlich des Primärprozesses Schädigungen(»Impairments«), Fähigkeitsstörungen (»Disabilities«) und Beeinträchtigungen (»Handicaps«) zu minimieren und die Entwicklung von Sekundärprozessen zu verhindern. Rehabilitation zielt nicht nur darauf ab, eingeschränkte und benachteiligte Personen zu befähigen, sich ihrer Umwelt anzupassen, sondern auch darauf, in ihre unmittelbare Umgebung und die Gesellschaft als Ganzes einzugreifen, um ihre soziale Integration zu erleichtern.

C. Grundlagen und Aufgaben der Rehabilitation
1. Beseitigung und Vorbeugung von krankheits- oder behinderungsbedingten körperlichen und psychischen Fähigkeitsstörungen (Förderung und Wiederbefähigung)
2. Vorbeugung von Sekundärprozessen
3. Sicherung und Wiederherstellung der Eingliederung der Betroffenen in Schule, Ausbildung, Beruf, Familie und Gesellschaft (Reintegration).
Aus der Sicht der Rentenversicherungsträger liegt das langfristige Ziel der Kinder- und Jugendlichenrehabilitation darin, eine mögliche Minderung oder gar den Verlust der Erwerbsfähigkeit zu verhindern. Beim chronisch kranken Kind darf aber nicht außer acht gelassen werden, daß die Familie als wichtigster sozialer Bezugsrahmen Voraussetzung ist für eine positive Verarbeitung des chronischen Krankheitsgeschehens. Außerdem kann die Erwerbsfähigkeit der Eltern und der Geschwister unmittelbar durch die Erkrankung des Kindes stark beeinträchtigt sein. Hieraus ergibt sich logischerweise die Notwenigkeit einer familienorientierten Rehabilitation.

D. Indikationen zur FOR im Fachbereich Kinderkardiologie
Es wäre grundsätzlich falsch, Indikationen zur Rehabilitation in der Kinderkardiologie an bestimmte anatomische Diagnosen oder herzchirurgische Eingriffe fest zu koppeln. Es ist keineswegs so, daß beispielsweise alle Familien mit einem Kind nach korrektiver Operation eines komplexen Herzfehlers (z.B.: Fallotsche Tetralogie, univentrikuläre Kreislauftrennung u.v.a.) Reha-bedürftig sind. Dagegen kann sich bei Kindern mit vergleichsweise harmlosen Herzfehlern, wie einem Vorhofseptumdefekt, durch krankheitsbedingte Verhaltensstörungen im weitesten Sinne eine dringende Rehabilitatiosbedürftigkeit ergeben.

1. Zeitpunkt der Rehabilitationsbedürftigkeit
Bei manchen Kindern und deren Familien ergibt sich bereits präoperativ eine Reha-bedürftige Situation, bei anderen entwickeln sich erst im Laufe der Jahre nach einer Herzoperation Probleme, die eine Rehabilitations-Maßnahme erforderlich werden lassen. Am häufigsten besteht allerdings unmittelbar im Anschluß an einen operativen Eingriff die Rehabilitationsbedürftigkeit.
Es ist Aufgabe des medizinischen Fachpersonals, an die Möglichkeiten einer rehabilitativen Therapiemaßnahme zu denken und gegebenenfalls weitere Schritte einzuleiten (z.B. Beratung beim psychosozialen Dienst der Abteilung).

2. Familienmitglieder Es ergeben sich unterschiedlich gewichtete Problematiken, wenn die einzelnen Familienmitglieder gesondert berücksichtigt werden.

Bei den Betroffenen kann sich eine Reha-Bedürftigkeit neben den im Vordergrund stehenden medizinischen Fragen u. a. ergeben aus: fehlender Krankheitsakteptanz, ungenügend wirksamem Krankheitsmanagement, ambulant nicht hinreichender Kompensation und vorhandenen oder drohenden Folgeschäden.

Bei den Eltern sind es: Verschlechterung bestehender Erkrankungen, Ängste vor Verlust des Kindes, Erziehungsprobleme, psychosomatische Erkrankungen, Eßstörungen, Schlafstörungen, depressive Episoden / Störungen, Paarproblematiken

und bei den Geschwistern: Ängste vor Verlust des Geschwisterkindes, Verschlechterung bestehender Erkrankungen, psychosomatische Erkrankungen, Eßstörungen, Schlafstörungen, regressive Verhaltensstörungen, Aggressionen, Schulleistungsprobleme u.a.
3. Formulierung der Reha-lndikation Einerseits gibt es ganz klar die medizinische Indikation mit vordringlichem Bezug auf die Stabilisierung u./o. Verbesserung der physischen Leistungsfähigkeit des Patienten. Je nach Zeitpunkt der Reha-Bedürftigkeit ergeben sich unterschiedliche Schwerpunkte bei der Indikationsstellung und der Therapieplanung. Es muß begründet sein, dass die Einbeziehung der Familie notwendig ist, um dieses Rehabilitationsziel zu erreichen. Andererseits gibt es den Bereich der psychosozialen Indikation. Hier stehen also in erster Linie nicht die physischen, sondern die durch intraindividuelle, innerfamiliäre und soziale, krankheitsbedingte Konflikte entstandenen Fähigkeisstörungen und/oder Beeinträchtigungen im Vordergrund. Die Indikation zur Reha ergibt sich aus der Notwendigkeit einer umfassenden erkrankungsspezifischen Aufklärung, Vermittlung von Methoden zur Krankheitsverarbeitung und Reduktion von Ängsten, Sicherung und Wiederherstellung der Eingliederung der Rehabilitanden in Schule, Ausbildung, Beruf, Familie und Gesellschaft. Als Konsequenz ergibt sich aus diesen Überlegungen in der Kinderkardiologie sehr häufig eine gemischte medizinische und psychosoziale Indikation mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Diese Schwerpunkte müssen für jede betroffene Familie gemeinsam mit den Mitarbeitern des psychosozialen Dienstes und den betreuenden Ärzten eruiert werden. Sie müssen im Bedarfsfalle in einem individuell ausformulierten »Antrag auf Kostenübernahme für eine stationäre familienorientierte Rehabilitation« verständlich beschrieben und mit den anzustrebenden Rehabilitationszielen dargelegt werden.«

Anschrift des Verfassers:

Dr. Christoph Irtel von Brenndorff
Spezialambulanz für Pädiatrische Kardiologie
Klinikum Mittelbaden gGmbh
Balger Straße 50
76532 Baden-Baden
Tel. 07221 – 91 2602
Fax 07221 – 9142 912610
www.pk-ivb.de

Mein persönlicher Reha-Bericht in der Nachsorgeklinik Tannheim – von Annette Stoll

Im Oktober / November 2025 durfte ich als Patientin mit angeborenem Herzfehler meinen ersten Reha-Aufenthalt in der Nachsorgeklinik in Tannheim (Schwarzwald) erleben. Der Weg dahin war langwierig: Den Antrag auf die Reha in Tannheim habe ich im Frühjahr 2024 gestellt, im Sommer 2024 erhielt ich dann die Genehmigung der Deutschen Rentenversicherung für eine Reha. Allerdings schlug mir die DRV drei andere Kliniken vor und wollte mich nicht nach Tannheim schicken, da diese Klinik angeblich nicht für mich geeignet sei. Also legte ich Widerspruch ein – mit Erfolg. Im August / September 2024 wurde mir die Reha in der Tannheimer Klinik genehmigt. Bis ich schließlich in den Schwarzwald fahren durfte, dauerte es aber nochmal über ein Jahr, denn die Wartezeiten für einen Reha-Platz in Tannheim sind lang, da die Klinik sehr gut und damit auch sehr begehrt ist. Ende Oktober 2025 war es dann so weit und ich startete von Mittelhessen in Richtung Villingen-Schwenningen, Ortsteil Tannheim.

Zum Konzept der Klinik lässt sich sagen, dass alle Patientinnen und Patienten eines Reha-Durchgangs (vier Wochen) am gleichen Tag anreisen und auch am gleichen Tag wieder abreisen. Die Klinik richtet sich an Familien, Jugendliche, junge Erwachsene, verwaiste Familien und dann gibt es noch eine Gruppe „Reha 27+“, in der Patienten ab 27 Jahren betreut werden, so auch ich. In der Klinik kommen Patientinnen und Patienten mit angeborenen oder auch erworbenen Herzfehlern, mit Mukoviszidose und mit onkologischen Vorerkrankungen zusammen. Bei der Zusammensetzung der jeweiligen Behandlungsgruppen (Familien, Jugendliche, junge Erwachsene, verwaiste Familien, Reha 27+) wird darauf geachtet, dass nicht alle Betroffenen die gleiche Krankheit haben, sondern dass ein Mix aus den verschiedenen Krankheitsbildern in den Gruppen vertreten ist, so dass auch ein Austausch „über den Tellerrand hinweg“ möglich ist.

Da ich in der Reha 27+ war, kann ich natürlich auch nur aus dieser Gruppe berichten, da man zwar auch ein bisschen was von den Angeboten für Familien und Jugendliche mitbekommt, aber sich davon kein umfassendes Bild machen kann. Und in erster Linie ist dies hier ja ein Erlebnisbericht aus meiner Perspektive.

In der Reha 27+ gibt es immer 7 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die auf einem gemeinsamen Flur untergebracht sind. Jeder hat ein eigenes Zimmer mit Bett, Schreibtisch, Sitzbank, Tisch und Stuhl, Bad und kleiner Küchenzeile (Kühlschrank, Spüle, Wasserkocher, etwas Geschirr). Die Zimmer sind freundlich gestaltet und bieten die Möglichkeit, sich von den Anwendungen zu erholen und zur Ruhe zu kommen. Auch steht für die Reha 27+ Gruppe ein eigener Raum mit je zwei Waschmaschinen und Trocknern zur Verfügung. Zudem hat jedes Zimmer einen eigenen kleinen Wäscheständer.

Im Flur unter den Zimmern gibt es einen gemeinsamen Gruppenraum, der ebenfalls mit einer Küchenzeile ausgestattet ist und in dem es auch einen Fernseher gibt (auf den Zimmern selbst gibt es keinen TV). Außerdem gibt es hier einen Schrank voller Spiele. Den Gruppenraum haben wir sehr oft abends genutzt, um uns auszutauschen, zu spielen oder einfach den Tag Revue passieren zu lassen. Direkt neben dem Gruppenraum hat die Bezugstherapeutin für die Reha 27+ ihr Büro. Mit ihr hat man in der Regel einmal in Woche ein Einzelgespräch (bei Bedarf auch öfter) und sie führt auch das wöchentliche Gruppengespräch mit allen Personen aus der Reha 27+. Gerade die psychologischen Einzelgespräche fand ich persönlich sehr hilfreich. Die Bezugstherapeutin kümmert sich zudem auch um zwei gemeinsame Ausflüge, die man als Reha 27+ Gruppe unternimmt. Diese Ausflüge können von der Gruppe je nach Wünschen und Vorlieben ausgewählt werden. Wir waren zum Beispiel einmal in einem Bowling-Center und einmal in einem Escape-Room.

Zu Beginn der Reha wird ein ärztliches Aufnahmegespräch durchgeführt. Weiterhin findet eine Einweisung im Fitnessraum statt und die Bezugstherapeutin klärt mit den Patienten, welche Therapie-Angebote sonst noch genutzt werden sollen. Angeboten werden zum Beispiel: Physiotherapie, verschiedene Entspannungstherapien (Yoga, Traumreise, Snoozle-Raum), Kunsttherapie, Nordic Walking, Wassergymnastik / Aqua Jogging, Reittherapie und auch Ernährungsberatung. Es ist eine gute Mischung aus verschiedenen Angeboten, die je nach Gebiet mit den Patienten einzeln oder als Gruppentherapie durchgeführt werden. Gerade bei den Einzeltherapien können die Therapeutinnen und Therapeuten gut auf die individuellen Bedürfnisse eingehen und die jeweilige Therapie darauf abstimmen. Dabei werden auch die Fortschritte, die man während der Reha macht, genau begleitet.

Hervorgehoben werden soll hier auch die Qualität des Essensangebotes. Sehr lecker, abwechslungsreich, vielfältig und zugleich auf die Bedürfnisse von Rehabilitanden abgestimmt. Frühstück und Abendessen gibt es in Buffet-Form, beim Mittagessen gibt es ein Salatbuffet, Haupt- und Nachspeise werden am Platz serviert. Das Mittagessen stellt man sich bis jeweils einen Tag vorher an einem speziellen „Essens-PC“ zusammen. Hier kann man aus verschiedenen Menüs wählen und auch immer die einzelnen Komponenten austauschen. Möchte man z.B. Nudeln anstatt Reis oder eine andere Soße, ein anderes Dessert, kann man dies hier buchen. Auch gibt man hier an, welche Portionsgröße man möchte. Dadurch wird das Essen sehr variabel und man kann es wunderbar auf seine jeweiligen Bedürfnisse abstimmen. Im Speisesaal hat man von Anfang an seinen festen Platz, so sitzt die Reha 27+ Gruppe zusammen an einem Tisch, die Familien sitzen meist mit zwei Familien an einem Tisch und auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben ihre bestimmten Tische im Speisesaal. Dies gibt Struktur und Gelegenheit, sich auch während der Essenszeiten untereinander auszutauschen und über die Tagesplanung zu sprechen. Ergänzend zu den drei festen Mahlzeiten gibt es noch die Cafeteria, in der man tagsüber und abends Getränke kaufen kann und in der es kleine Snacks und ganz wunderbare Kuchen und Torten gibt.

Das Reha-Angebot ist beeindruckend vielfältig, sowohl was die Therapien als auch die Freizeitangebote angeht. Die Nachsorgeklinik ist auf einem großen Gelände angelegt und verfügt unter anderem über ein Schwimmbad und eine Sauna, einen eigenen Pferdestall mit Reithalle, Spielplatz und Wasserspielplatz, ein Garten mit Hochbeeten und eine Bibliothek, ein Sportplatz und eine Sporthalle, eine Holzwerkstatt und eine Lehrküche, Parkplätze und auch Grillhütten. Von Reittherapie über Kunsttherapie bis hin zu klassischer Physiotherapie oder Sporteinheiten im Fitnessraum ist für jeden etwas dabei. Gerade die Mischung aus körperlicher Aktivierung und kreativen Angeboten hilft, neue Zugänge zum eigenen Körper und zur eigenen Situation zu finden und für sich selbst rauszufinden, was einem gut tut und welche Angebote vielleicht weniger zur persönlichen Situation passen. Ich selbst habe zum Beispiel am Anfang der Reha Yoga als Entspannungstherapie gewählt und im Laufe des Aufenthaltes aber festgestellt, dass dies irgendwie nicht meins ist. Dann war es für mich möglich zum Angebot „Traumreise“ zu wechseln, was mir wesentlich besser gefallen hat.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Reha 27+ haben die Therapien, die als Gruppe durchgeführt werden, oft zusammen mit den Eltern aus der Familientherapie. Dies gilt z.B. für Yoga, Traumreise, Wassergymnastik und Nordic Walking. Dies gibt einerseits die Gelegenheit, auch einmal mit den Eltern mehr in Kontakt zu kommen. Andererseits entstehen daraus auch Herausforderungen. Beim Nordic Walking waren in meinem Reha-Durchgang z.B. die überwiegende Zahl der Teilnehmer Eltern, die ja meist gesund sind. Dementsprechend orientiert sich das Tempo eher an der Elterngruppe, was für mich nicht machbar war. Hinzu kommt, dass das Nordic Walking grundsätzlich nach dem Essen (Frühstück oder Mittagessen) stattfand und ich persönlich direkt nach dem Essen einfach keinen Sport machen kann, da mir dann richtig übel wird. Dies hat dann für mich dazu geführt, dass ich mich beim Nordic Walking abgemeldet habe.

Gegen Ende der Reha gibt es ein Austausch-Format für die jeweiligen Krankheitsbilder (Herzfehler, Mukoviszidose und onkologische Erkrankung) in dem die Eltern der betroffenen Kinder jeweils die jungen Erwachsenen oder die Reha 27+ Patienten zu ihren Erfahrungen befragen können. Die Teilnahme daran ist freiwillig, für mich persönlich war sie jedoch wirklich wertvoll. Dieses Format gibt den Eltern die Gelegenheit uns ältere Patientinnen und Patienten über die unterschiedlichsten Aspekte der Krankheit zu befragen. Angesprochen wurden Themen wie Befreiung vom Sportunterricht, Beantragung eines Behindertenausweises, Berufseinstieg, (Berufs-)Alltag, Reisen, Familienplanung bzw. Kinderlosigkeit auf Grund des Herzfehlers. Auch im Nachgang zu diesem Treffen entstanden so noch einige interessante, gute und wertvolle Gespräche mit den Eltern.

Nicht vergessen möchte ich, das Freizeit-Team der Klinik zu erwähnen. Dieses organisiert das Zwischen- und das Abschlussfest sowie die unterschiedlichsten Freizeitangebote. Während meines Aufenthaltes wurde beispielsweise für die Kinder auch ein eigener Laternenumzug organisiert, mit selbstgebastelten Laternen, Sankt Martinsliedern und auch das St. Martinspferd durfte nicht fehlen. Zu den regulären Freizeitangeboten gehören Angebote in der Klinik selbst, wie Ponyreiten für die Kinder oder Kreativ-Workshops, aber auch verschiedene Ausflüge wie zu einem Heimspiel des VfB Stuttgart oder in eine Glasbläserei. Absolutes Ausflugs-Highlight ist sicherlich der Ausflug in den Europapark Rust.

Mein persönliches Fazit: Die vier Wochen Reha in Tannheim sind wie im Flug vergangen und haben mir persönlich gerade im Bereich der psychologischen Beratung und im Bereich der Physiotherapie (verbunden mit spezieller Atemtherapie) sehr viel gebracht.

Die Nachsorgeklinik Tannheim ist mehr als ein Ort der Rehabilitation. Sie ist ein Raum für Begegnung, für Entwicklung und für Hoffnung. Die vielfältigen Angebote vom morgendlichen Besuch im Kneippbecken, über sportliche Therapieeinheiten, bis zur medizinischen Betreuung und schließlich die verschiedenen Freizeit- und Kreativangebote ergeben zusammen eine tolle Mischung. Die individuellen Tagespläne mit den Therapieeinheiten sind gut machbar (sollte einem doch einmal etwas zu viel sein, kann man dies beim Team der Planorganisation auch anpassen lassen) und die therapiefreien Wochenenden bieten Gelegenheit sich auszuruhen, die Gegend zu erkunden oder auch um Besuch aus der Heimat zu bekommen. Für die Patientinnen und Patienten, die hier zusammenkommen, vom Kleinkind, den dazugehörigen Familien, bis zum Reha 27+ Rehabilitand bietet die Tannheimer Klinik eine außergewöhnliche Kombination aus medizinischer Kompetenz, menschlicher Nähe und echter Lebensqualität.

Mir persönlich hat es in Tannheim sehr gut gefallen und ich ärgere mich, dass ich diesen Reha-Antrag nicht schon viel früher gestellt habe. Denn die Zeit in der Nachsorgeklinik hat mir unheimlich gutgetan, hat mich aus dem heimischen (Berufs-) Alltag rausgeholt und mir dabei geholfen zu überlegen, wie ich meinen Alltag zu Hause verändern kann, so dass es mir noch besser damit geht. Ich hoffe sehr, dass dies nicht meine letzte Reha in Tannheim war.

Annette Stoll, Beisitzerin im Vorstand von Kinderherzen heilen e.V.

Link zur Nachsorgeklinik Tannheim: www.tannheim.de

Beim Kochkurs mit der Ernährungsberaterin wurde in der Lehrküche gesund gekocht (Bild: Annette Stoll)
Annette bei der Reit- bzw. Pferdetherapie in der Reithalle der Nachsorgeklinik (Bild: Annette Stoll)

Adressen, Informationsmaterial und Links

Nachsorgeklinik Tannheim
Gemeindewaldstr. 75
78052 VS-Tannheim
Tel.: (0 77 05) 920-0
Fax: (0 77 05) 920-199
www.tannheim.de

Katharinenhöhe
Rehabilitationsklinik für Kinder mit Familie, Jugendliche und junge Erwachsene
Oberer Katzensteig 11
78141 Schönwald
Tel.: (0 77 23) 65 03-0
Fax: (0 77 23) 65 03-100
www.katharinenhoehe.de

Kinderhaus Klinik Bad Oexen
Oexen 27
32549 Bad Oexen
Tel.: (0 57 31) 537-0
Fax: (0 57 31) 537-736
www.badoexen.de

Rehazentrum Ederhof
auf organtransplantierte Kinder und Jugendliche spezialisiertes Rehazentrum
Stronach 7, 9992 Iselsberg-Stronach, Österreich
Tel.: 0043 4852 69 990
Fax: 0043 4852 69 99-11
www.ederhof.eu