Mein persönlicher Reha-Bericht in der Nachsorgeklinik Tannheim – von Annette Stoll

https://www.kinderherzen-heilen.de/eltern-info/familienorientierte-rehabilitation/

Im Oktober / November 2025 durfte ich als Patientin mit angeborenem Herzfehler meinen ersten Reha-Aufenthalt in der Nachsorgeklinik in Tannheim (Schwarzwald) erleben. Der Weg dahin war langwierig: Den Antrag auf die Reha in Tannheim habe ich im Frühjahr 2024 gestellt, im Sommer 2024 erhielt ich dann die Genehmigung der Deutschen Rentenversicherung für eine Reha. Allerdings schlug mir die DRV drei andere Kliniken vor und wollte mich nicht nach Tannheim schicken, da diese Klinik angeblich nicht für mich geeignet sei. Also legte ich Widerspruch ein – mit Erfolg. Im August / September 2024 wurde mir die Reha in der Tannheimer Klinik genehmigt. Bis ich schließlich in den Schwarzwald fahren durfte, dauerte es aber nochmal über ein Jahr, denn die Wartezeiten für einen Reha-Platz in Tannheim sind lang, da die Klinik sehr gut und damit auch sehr begehrt ist. Ende Oktober 2025 war es dann so weit und ich startete von Mittelhessen in Richtung Villingen-Schwenningen, Ortsteil Tannheim.

Zum Konzept der Klinik lässt sich sagen, dass alle Patientinnen und Patienten eines Reha-Durchgangs (vier Wochen) am gleichen Tag anreisen und auch am gleichen Tag wieder abreisen. Die Klinik richtet sich an Familien, Jugendliche, junge Erwachsene, verwaiste Familien und dann gibt es noch eine Gruppe „Reha 27+“, in der Patienten ab 27 Jahren betreut werden, so auch ich. In der Klinik kommen Patientinnen und Patienten mit angeborenen oder auch erworbenen Herzfehlern, mit Mukoviszidose und mit onkologischen Vorerkrankungen zusammen. Bei der Zusammensetzung der jeweiligen Behandlungsgruppen (Familien, Jugendliche, junge Erwachsene, verwaiste Familien, Reha 27+) wird darauf geachtet, dass nicht alle Betroffenen die gleiche Krankheit haben, sondern dass ein Mix aus den verschiedenen Krankheitsbildern in den Gruppen vertreten ist, so dass auch ein Austausch „über den Tellerrand hinweg“ möglich ist.

Da ich in der Reha 27+ war, kann ich natürlich auch nur aus dieser Gruppe berichten, da man zwar auch ein bisschen was von den Angeboten für Familien und Jugendliche mitbekommt, aber sich davon kein umfassendes Bild machen kann. Und in erster Linie ist dies hier ja ein Erlebnisbericht aus meiner Perspektive.

In der Reha 27+ gibt es immer 7 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die auf einem gemeinsamen Flur untergebracht sind. Jeder hat ein eigenes Zimmer mit Bett, Schreibtisch, Sitzbank, Tisch und Stuhl, Bad und kleiner Küchenzeile (Kühlschrank, Spüle, Wasserkocher, etwas Geschirr). Die Zimmer sind freundlich gestaltet und bieten die Möglichkeit, sich von den Anwendungen zu erholen und zur Ruhe zu kommen. Auch steht für die Reha 27+ Gruppe ein eigener Raum mit je zwei Waschmaschinen und Trocknern zur Verfügung. Zudem hat jedes Zimmer einen eigenen kleinen Wäscheständer.

Im Flur unter den Zimmern gibt es einen gemeinsamen Gruppenraum, der ebenfalls mit einer Küchenzeile ausgestattet ist und in dem es auch einen Fernseher gibt (auf den Zimmern selbst gibt es keinen TV). Außerdem gibt es hier einen Schrank voller Spiele. Den Gruppenraum haben wir sehr oft abends genutzt, um uns auszutauschen, zu spielen oder einfach den Tag Revue passieren zu lassen. Direkt neben dem Gruppenraum hat die Bezugstherapeutin für die Reha 27+ ihr Büro. Mit ihr hat man in der Regel einmal in Woche ein Einzelgespräch (bei Bedarf auch öfter) und sie führt auch das wöchentliche Gruppengespräch mit allen Personen aus der Reha 27+. Gerade die psychologischen Einzelgespräche fand ich persönlich sehr hilfreich. Die Bezugstherapeutin kümmert sich zudem auch um zwei gemeinsame Ausflüge, die man als Reha 27+ Gruppe unternimmt. Diese Ausflüge können von der Gruppe je nach Wünschen und Vorlieben ausgewählt werden. Wir waren zum Beispiel einmal in einem Bowling-Center und einmal in einem Escape-Room.

Zu Beginn der Reha wird ein ärztliches Aufnahmegespräch durchgeführt. Weiterhin findet eine Einweisung im Fitnessraum statt und die Bezugstherapeutin klärt mit den Patienten, welche Therapie-Angebote sonst noch genutzt werden sollen. Angeboten werden zum Beispiel: Physiotherapie, verschiedene Entspannungstherapien (Yoga, Traumreise, Snoozle-Raum), Kunsttherapie, Nordic Walking, Wassergymnastik / Aqua Jogging, Reittherapie und auch Ernährungsberatung. Es ist eine gute Mischung aus verschiedenen Angeboten, die je nach Gebiet mit den Patienten einzeln oder als Gruppentherapie durchgeführt werden. Gerade bei den Einzeltherapien können die Therapeutinnen und Therapeuten gut auf die individuellen Bedürfnisse eingehen und die jeweilige Therapie darauf abstimmen. Dabei werden auch die Fortschritte, die man während der Reha macht, genau begleitet.

Hervorgehoben werden soll hier auch die Qualität des Essensangebotes. Sehr lecker, abwechslungsreich, vielfältig und zugleich auf die Bedürfnisse von Rehabilitanden abgestimmt. Frühstück und Abendessen gibt es in Buffet-Form, beim Mittagessen gibt es ein Salatbuffet, Haupt- und Nachspeise werden am Platz serviert. Das Mittagessen stellt man sich bis jeweils einen Tag vorher an einem speziellen „Essens-PC“ zusammen. Hier kann man aus verschiedenen Menüs wählen und auch immer die einzelnen Komponenten austauschen. Möchte man z.B. Nudeln anstatt Reis oder eine andere Soße, ein anderes Dessert, kann man dies hier buchen. Auch gibt man hier an, welche Portionsgröße man möchte. Dadurch wird das Essen sehr variabel und man kann es wunderbar auf seine jeweiligen Bedürfnisse abstimmen. Im Speisesaal hat man von Anfang an seinen festen Platz, so sitzt die Reha 27+ Gruppe zusammen an einem Tisch, die Familien sitzen meist mit zwei Familien an einem Tisch und auch die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben ihre bestimmten Tische im Speisesaal. Dies gibt Struktur und Gelegenheit, sich auch während der Essenszeiten untereinander auszutauschen und über die Tagesplanung zu sprechen. Ergänzend zu den drei festen Mahlzeiten gibt es noch die Cafeteria, in der man tagsüber und abends Getränke kaufen kann und in der es kleine Snacks und ganz wunderbare Kuchen und Torten gibt.

Das Reha-Angebot ist beeindruckend vielfältig, sowohl was die Therapien als auch die Freizeitangebote angeht. Die Nachsorgeklinik ist auf einem großen Gelände angelegt und verfügt unter anderem über ein Schwimmbad und eine Sauna, einen eigenen Pferdestall mit Reithalle, Spielplatz und Wasserspielplatz, ein Garten mit Hochbeeten und eine Bibliothek, ein Sportplatz und eine Sporthalle, eine Holzwerkstatt und eine Lehrküche, Parkplätze und auch Grillhütten. Von Reittherapie über Kunsttherapie bis hin zu klassischer Physiotherapie oder Sporteinheiten im Fitnessraum ist für jeden etwas dabei. Gerade die Mischung aus körperlicher Aktivierung und kreativen Angeboten hilft, neue Zugänge zum eigenen Körper und zur eigenen Situation zu finden und für sich selbst rauszufinden, was einem gut tut und welche Angebote vielleicht weniger zur persönlichen Situation passen. Ich selbst habe zum Beispiel am Anfang der Reha Yoga als Entspannungstherapie gewählt und im Laufe des Aufenthaltes aber festgestellt, dass dies irgendwie nicht meins ist. Dann war es für mich möglich zum Angebot „Traumreise“ zu wechseln, was mir wesentlich besser gefallen hat.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Reha 27+ haben die Therapien, die als Gruppe durchgeführt werden, oft zusammen mit den Eltern aus der Familientherapie. Dies gilt z.B. für Yoga, Traumreise, Wassergymnastik und Nordic Walking. Dies gibt einerseits die Gelegenheit, auch einmal mit den Eltern mehr in Kontakt zu kommen. Andererseits entstehen daraus auch Herausforderungen. Beim Nordic Walking waren in meinem Reha-Durchgang z.B. die überwiegende Zahl der Teilnehmer Eltern, die ja meist gesund sind. Dementsprechend orientiert sich das Tempo eher an der Elterngruppe, was für mich nicht machbar war. Hinzu kommt, dass das Nordic Walking grundsätzlich nach dem Essen (Frühstück oder Mittagessen) stattfand und ich persönlich direkt nach dem Essen einfach keinen Sport machen kann, da mir dann richtig übel wird. Dies hat dann für mich dazu geführt, dass ich mich beim Nordic Walking abgemeldet habe.

Gegen Ende der Reha gibt es ein Austausch-Format für die jeweiligen Krankheitsbilder (Herzfehler, Mukoviszidose und onkologische Erkrankung) in dem die Eltern der betroffenen Kinder jeweils die jungen Erwachsenen oder die Reha 27+ Patienten zu ihren Erfahrungen befragen können. Die Teilnahme daran ist freiwillig, für mich persönlich war sie jedoch wirklich wertvoll. Dieses Format gibt den Eltern die Gelegenheit uns ältere Patientinnen und Patienten über die unterschiedlichsten Aspekte der Krankheit zu befragen. Angesprochen wurden Themen wie Befreiung vom Sportunterricht, Beantragung eines Behindertenausweises, Berufseinstieg, (Berufs-)Alltag, Reisen, Familienplanung bzw. Kinderlosigkeit auf Grund des Herzfehlers. Auch im Nachgang zu diesem Treffen entstanden so noch einige interessante, gute und wertvolle Gespräche mit den Eltern.

Nicht vergessen möchte ich, das Freizeit-Team der Klinik zu erwähnen. Dieses organisiert das Zwischen- und das Abschlussfest sowie die unterschiedlichsten Freizeitangebote. Während meines Aufenthaltes wurde beispielsweise für die Kinder auch ein eigener Laternenumzug organisiert, mit selbstgebastelten Laternen, Sankt Martinsliedern und auch das St. Martinspferd durfte nicht fehlen. Zu den regulären Freizeitangeboten gehören Angebote in der Klinik selbst, wie Ponyreiten für die Kinder oder Kreativ-Workshops, aber auch verschiedene Ausflüge wie zu einem Heimspiel des VfB Stuttgart oder in eine Glasbläserei. Absolutes Ausflugs-Highlight ist sicherlich der Ausflug in den Europapark Rust.

Mein persönliches Fazit: Die vier Wochen Reha in Tannheim sind wie im Flug vergangen und haben mir persönlich gerade im Bereich der psychologischen Beratung und im Bereich der Physiotherapie (verbunden mit spezieller Atemtherapie) sehr viel gebracht.

Die Nachsorgeklinik Tannheim ist mehr als ein Ort der Rehabilitation. Sie ist ein Raum für Begegnung, für Entwicklung und für Hoffnung. Die vielfältigen Angebote vom morgendlichen Besuch im Kneippbecken, über sportliche Therapieeinheiten, bis zur medizinischen Betreuung und schließlich die verschiedenen Freizeit- und Kreativangebote ergeben zusammen eine tolle Mischung. Die individuellen Tagespläne mit den Therapieeinheiten sind gut machbar (sollte einem doch einmal etwas zu viel sein, kann man dies beim Team der Planorganisation auch anpassen lassen) und die therapiefreien Wochenenden bieten Gelegenheit sich auszuruhen, die Gegend zu erkunden oder auch um Besuch aus der Heimat zu bekommen. Für die Patientinnen und Patienten, die hier zusammenkommen, vom Kleinkind, den dazugehörigen Familien, bis zum Reha 27+ Rehabilitand bietet die Tannheimer Klinik eine außergewöhnliche Kombination aus medizinischer Kompetenz, menschlicher Nähe und echter Lebensqualität.

Mir persönlich hat es in Tannheim sehr gut gefallen und ich ärgere mich, dass ich diesen Reha-Antrag nicht schon viel früher gestellt habe. Denn die Zeit in der Nachsorgeklinik hat mir unheimlich gutgetan, hat mich aus dem heimischen (Berufs-) Alltag rausgeholt und mir dabei geholfen zu überlegen, wie ich meinen Alltag zu Hause verändern kann, so dass es mir noch besser damit geht. Ich hoffe sehr, dass dies nicht meine letzte Reha in Tannheim war.

Bericht: Annette Stoll, Beisitzerin im Vorstand von Kinderherzen heilen e.V.

Link zur Nachsorgeklinik Tannheim: www.tannheim.de

Beim Kochkurs mit der Ernährungsberaterin wurde in der Lehrküche gesund gekocht (Bild: Annette Stoll)
Annette bei der Reit- bzw. Pferdetherapie in der Reithalle der Nachsorgeklinik (Bild: Annette Stoll)