::: Grundlage für Diagnose und Therapie :::Bei Patienten mit angeborenen Herzfehlern wird vielfach – neben den
üblichen kardiologischen Untersuchungsmethoden wie beispielsweise
dem Elektrokardiogramm (EKG), der Blutdruckmessung (bei Erstuntersuchungen
an Armen und Beinen zur Erkenung einer Blutdruckdifferenz)
oder der Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie) – eine invasive (in den Körper
eingreifende) Methodik erforderlich, um einen Herzfehler oder eine
Gefäßfehlbildung genau erkennen und beurteilen zu können.
::: Untersuchungstechnik :::Bei der Herzkatheterunteruchung wird unter Röntgenkontrolle
eine biegsame Kunststoffsonde über eine Vene oder Arterie bis
zum Herzen geschoben. Die Sonde ermöglicht Druckmessungen in den
Vorhöfen, Ventrikeln und Gefäßen. So können Engstellen (Stenosen)
im Bereich der Herzklappen, in den Herzhöhlen oder in den großen
Gefäßen sowie Klappeninsuffizienzen erfaßt werden.
::: Untersuchungsablauf :::Die Untersuchung wird unter Sedierung und nach
Lokalanästhesie an der
Einführungsstelle durchgeführt, während das Kind auf einer angewärmten
Unterlage liegt. Mindestens sechs Stunden vorher bleiben die
Patienten nüchtern, damit bei Bedarf eine Narkose vorgenommen werden kann.
Die Herzhöhlen und die vom Herzen abgehenden Gefäße lassen sich durch vorsichtiges
Vorschieben, Zurückziehen und Drehen des Kunststoffkatheters erreichen.
Nach der Herzkatheteruntersuchung wird der Patient 24 Stunden stationär beobachtet.
Der Ablauf der Untersuchung und technische Details werden gespeichert und
in einem Herzkatheterprotokoll dokumentiert.
::: Kontrastdarstellung der Gefäße :::Die röntgenbildliche Darstellung der Herzhöhlen und der herznahen Gefäße im zeitlichen Verlauf (Angiokardiographie) erfolgt mittels eines Angiokardiographiekatheters, mit dem Kontrastmittel an die entsprechende Stelle injiziert wird. Während und nach der automatisierten Injektion wird ein drei bis fünf Sekunden langer Film aufgezeichnet. Das Kontrastmittel wird vollständig ueber die Nieren ausgeschieden, wobei gleichzeitig die Funktion der Nieren und Harnwege überprueft werden kann.
Auf der nebenstehenden Angiographie-Aufnahme eines sechs Monate alten Jungen
sind die Lungenarterien dargestellt.
Der linke Lungenflügel (im Bild rechts) ist auf Grund einer angeborenen Verengung
(Stenose) der linken Lungenarterie weniger stark entwickelt als der rechte.
Deutlich erkennbar ist die Glennsche Anastomose, eine operativ hergestellte direkte
Verbindung von der oberen Hohlvene zum rechten Lungenarterienstamm. Beim
Einkammerherzen ist dieses Vorgehen der erste Schritt zur Kreislauftrennung
nach dem Fontan-Prinzip.
::: Indikation und Risiken :::
Das Risiko der invasiven Herzdiagnostik ist von der Erfahrung des Ärzteteams,
von Art, Länge und Intensität der Untersuchung, von der Art der verwendeten
Katheter und der verwendeten Kontrastmittel, von der Schwere des Herzfehlers
und vom Alter und Zustand des Patienten anhängig. Durch technische Verbesserungen
und zunehmende Erfahrung wurde es möglich, Komplikationen auf ein Mindestmaß
zu reduzieren. Heute werden auch Säuglinge, Neugeborene und sogar Frühgeborene
mit vertretbarem Risiko untersucht. Spätreaktionen des Körpers werden durch die
anschließende intensivmedizinische Überwachung erfaßt und können so unmittelbar
behandelt werden.
::: Therapeutische Verfahren (Interventionen) :::Die Weiterentwicklung der Herzkathetertechnik ermöglicht heutzutage auch die Korrektur von Herzfehlern. Dadurch lassen sich eine Reihe chirurgischer Eingriffe vermeiden. Die Katheterinterventionen können im Vergleich zum operativen Vorgehen mit deutlich geringerem Trauma und Risiko für den Patienten durchgeführt werden. Beispiele für mögliche Interventionen:
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