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Geschwisterseminar 2004

::: Blaue Flecke auf der Seele :::

Eine Familienbegegnung mit Geschwisterseminar

»Warum sind meine blauen Flecke nicht so schlimm? Mir tun sie doch genau so weh, wie meinem Geschwister«, so fragen die herzgesunden Kinder. Ihre Geschwister haben angeborene Herzfehler. Viele von ihnen erhalten deshalb zur Vorbeugung vor Gefäßverschlüssen ein Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung. Diese Kinder tragen bei Rangeleien und Stößen schnell blaue Flecke davon, die anschließend aufmerksam beäugt werden. Eine offene Wunde blutet länger und bei inneren Verletzungen an den Gelenken können ernste Schädigungen auftreten. Das bleibt allen Beteiligten im Hinterkopf, auch wenn es im täglichen Umgang äußerst selten zu Komplikationen kommt.

Jeder Familie mit einem herzkranken Kind ist bewusst, dass das herzkranke Kind bei den kleinen Verletzungen im Alltag häufig mehr Aufmerksamkeit bekommt und mehr Rücksichtnahme erfährt, als das gesunde Geschwisterkind. Und dass diese vermeintliche Zurücksetzung auch blaue Flecke auf der Seele hinterlassen kann, verunsichert viele Eltern. Wie können sie ihren gesunden Kindern helfen, mit der Familiensituation klar zu kommen und wie können sie ihnen zeigen, dass sie ihnen doch genauso lieb und wichtig sind, wie ihre herzkranken Geschwister. Diese Gedanken haben Eltern des Vereins »Kinderherzen heilen e.V.« bewogen, ein sogenanntes »Geschwisterseminar« anzubieten - eine Veranstaltung, bei der die herzgesunden Geschwisterkinder im Mittelpunkt stehen, wo ihre Gedanken und Sorgen alleine wichtig sind. Oder kurz, wo sie sich mal ganz offen aussprechen können, was sie drückt, ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer.

Mit Marlies Winkelheide konnte eine Fachfrau gewonnen werden, die auf fast 30 Jahre Erfahrungen auf dem Gebiet der Bildungsarbeit für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen zurückblicken kann. Die gelernte Sozialwissenschaftlerin hat seit 1976 ein eigenes Konzept für die Seminararbeit mit Familien mit behinderten Angehörigen entwickelt. Seit 1982 bietet sie gemeinsam mit einem geschulten Team insbesondere auch Seminare für Geschwister von Menschen mit Behinderung an.

Zehn Familien sind mit Ihr und Ihren zwei Mitarbeiterinnen Anika Schuberkis und Sonja Pfrommer ein Wochenende lang in die Rhön gefahren, in den Michaelshof, und fortan waren die herzgesunden Geschwisterkinder nur noch kurz zu den Mahlzeiten zu sehen. Von der ersten Stunde an stieß das Programm von Frau Winkelheide (von den Kindern nur Marlies genannt) auf große Begeisterung und auch die anfangs Schüchternen verloren schnell ihre Scheu.

Marlies Winkelheide dankte den Eltern zu Beginn für das Vertrauen, das sie ihr und Ihrem Team schenkten. Sie bat die Eltern, bei den Kindern nicht ständig nachzufragen und ihnen zunächst den eigenen Raum zu lassen. Auch Marlies Winkelheide wusste nicht genau, was auf sie zukommen würde, denn die einzige methodische Vorgabe war, dass der Impuls für die Bearbeitung eines Themas in der Gruppe erfolgen solle. Für die unterschiedlichen Fähigkeiten und auch unterschiedlichen Fragestellungen der Kinder hielt das Seminarteam ein kreatives Methodenangebot bereit.

Natürlich waren die Eltern neugierig und während der gemeinsamen Essenszeit versuchte wohl auch mancher, sein Kind ein bisschen auszuhorchen - aber vergeblich. Gerade das »Geheime« machte den Kindern Spaß und außerdem sollte es zum Abschluss des Seminars ja eine Darstellung des Programms geben. Bis dahin hieß es: Geduld haben.

Es blieb Zeit für einen Besuch der Kinderakademie in Fulda, wo das große »begehbare Herz« schon darauf wartete, während einer exklusiven Führung von den Kindern erobert zu werden. Natürlich kletternd und rutschend zwischen Vorhöfen und Hauptkammern.



Abends gab es eine gemeinsame Runde mit allen. Gesang und Spiele bauten Hemmungen ab. Am Schluss erhielt jeder einen Mimürfel, ein Würfel mit sechs unterschiedlichen Mimiken von »strahlend« bis »zornig«, welche die Vielfalt der Gefühle veranschaulichen. Danach saß man beisammen bei Wein und Bier und der Möglichkeit auch mal von Eltern zu Eltern Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen. Vielleicht war der eine oder andere ein bisschen neidisch, dass für die Erwachsenen kein Seminar auf dem Programm stand. Manches, was die Eltern bedrückt im Umgang mit den Kindern, mit Schule und Kindergarten oder auch mit dem jeweiligen Partner bräuchte gewiss auch mal ein Ventil.



Am Sonntagvormittag wurden dann die Eltern eingeladen: zunächst zu einem kurzen Resümee von Marlies Winkelheide und anschließend zu einer Abschlussrunde der Kinder. Sieben hatten an dem Seminar teilgenommen und saßen nun alle zusammen in einem Stuhlkreis. Die Eltern standen andächtig und gespannt herum. Zur Begrüßung wurde gesungen und geklatscht: »Du bist nicht ich, und ich bin nicht Du ...« Und dann erläuterten die Kinder reihum - jedes mit einem eigenen Schwerpunkt - die Spiele und Gesprächsthemen der vergangenen zwei Tage:

Alle Themen wurden mit Symbolen veranschaulicht: der schon erwähnte Mimürfel, ein bunter Kreisel für das »im Mittelpunkt stehen« ein Glitzerkreisel für das »verantwortlich sein wollen«, ein Knopf für die Sorgen und eine kleine Figur mit beweglichem Kopf und Gliedmaßen für die Stimmungen. Zum Schluss wanderte alles in die Seelenvogeltasche.

Zunächst hatten die Kinder genug Zeit, ihre Familien vorzustellen. Welche Stellung wer innerhalb der Familie hat, versuchten die Kinder mit Hilfe von Playmobil-Figuren darzustellen. Diese Familienaufstellung wurde anschließend fotografisch festgehalten. Angst war das Thema des ersten Vormittags gewesen, Angst vor ungewohnten Situationen, Angst vor Unverstandenem. Die Angst der Eltern, wenn Operationen des Herzkindes bevorstehen oder auch die tägliche, unterschwellige Angst vor Komplikationen, Stürzen, Verletzungen, die sich den Kindern mitteilt, auch wenn Eltern versuchen, sich ihre Sorgen nicht anmerken zu lassen.



Welche Situationen welche Gefühle bei den einzelnen Familienmitgliedern auslösen, wurde mit Hilfe von »Smilies« veranschaulicht, wobei außer dem typischen »Smilie«-Gesicht auch noch wütende, traurige, erschrockene, glückliche und ratlose »Smilies« zur Verfügung standen. »So guckt mein Papa, wenn ...« und »so sieht Mama aus, wenn ...«, wurde auf große Blätter aufgeschrieben und hing nun zum Abschluss mit dem passenden Gesichtsausdruck versehen an der Wand Außerdem fanden sich an den Wänden lange Listen, auf denen die Kinder ihre Wünsche und Ihre Stärken zusammengetragen hatten. Auch eine Liste mit Dingen, die sie schon allein - selbstverantwortlich erledigen können, war erstellt worden, und diese Liste war ordentlich lang.



Dann gab es da noch jede Menge Basteleien und Spiele und Lieder und die Geschichte vom Seelenvogel mit seinen vielen Schubladen: eine für die Traurigkeit, und für das Glücklichsein, eine für die Wut, und eine für Angst. Was aber ist, wenn das Herz operiert oder (wieder) gesund, aber die Seele (noch) krank ist. Kann ein Arzt helfen? Nein, überlegte ein Kind: Eine kranke Seele kann man nur selbst heilen. Aber das braucht Kraft. Diese Kraft zu spenden und zu bewahren ist Aufgabe der Familie.

Wenn das Seminar die Kinder und ihre Familien in dieser Hinsicht gestärkt hat, war es ein Erfolg.

Wenige Wochen später bekamen die Kinder Post: eine Karte mit den Bremer Stadtmusikanten, alle mit Regenbekleidung (die Kinder hatten nach dieser Karte gefragt wegen des ständigen Regens in Hilders), Fotos von der eigenen Playmobil-Familie und vom Seminar-Geschehen und eine Liste zum Thema »Ich bin doch auch noch da«, die Marlies Winkelheide nach den Aussagen der Kinder zusammengestellt hatte. Eine Erinnerung an ein spannendes Wochenende, das für die Eltern von Kinderherzen heilen e.V. sicher keine einmalige Veranstaltung bleiben wird.

www.kinderherzen-heilen.de
www.geschwisterkinder.de

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